
Wettbewerbslandschaft
Wettbewerbsintensität mit BFS-Daten einschätzen: Neugründungen und Schliessungen
Warum Neugründungen und Schliessungen Wettbewerb abbilden
Warum Neugründungen und Schliessungen Wettbewerb abbilden
Warum Neugründungen und Schliessungen Wettbewerb abbilden
Unternehmensgründungen und -schliessungen sind zentrale Indikatoren für die Wettbewerbsintensität. Sie zeigen, wie leicht neue Anbieter eintreten und schwache Akteure ausscheiden.
Eine hohe Gründungsrate deutet auf niedrige Markteintrittsbarrieren hin. Eine hohe Schliessungsrate weist auf starken Selektionsdruck und Verdrängungswettbewerb.
Das Verhältnis von Gründungen zu Schliessungen gibt Hinweise auf die Nettoveränderung der Wettbewerbsdynamik. Steigen beide gleichzeitig, ist der Wettbewerb besonders intensiv.
Die Datenquellen des BFS: UDEMO und STATENT
Die Datenquellen des BFS: UDEMO und STATENT
Die Statistik der Unternehmensdemografie (UDEMO) erfasst jährlich Neugründungen, Schliessungen und Überlebensraten. Sie basiert auf Daten des Handelsregisters und der Mehrwertsteuerstatistik.
Die Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) liefert Anzahl Unternehmen und Beschäftigte nach Wirtschaftszweig und Region. Sie ergänzt UDEMO um strukturelle Informationen.
Beide Quellen des Bundesamts für Statistik (BFS) ermöglichen eine detaillierte Analyse der Wettbewerbsdynamik auf Branchen- und Kantonsebene.
Neugründungen als Dynamikindikator: Zahlen und Entwicklungen
Neugründungen als Dynamikindikator: Zahlen und Entwicklungen
2023 wurden in der Schweiz 46 931 Unternehmen ex nihilo gegründet, nur 56 weniger als im Rekordjahr 2022. Die Neugründungen machten 7,9 % aller aktiven Unternehmen aus.
2025 erreichten die Neugründungen mit 55 654 einen neuen Rekord – das dritte Rekordjahr in Folge. Die GmbH bleibt mit rund 42 % die häufigste Rechtsform, gefolgt von der Einzelfirma (33 %) und der AG (19 %).
87 % der Neugründungen entfallen auf den Dienstleistungssektor. Die höchsten Gründungsraten verzeichnen Kunst, Unterhaltung und Erholung (10,0 %), Information und Kommunikation (9,9 %) sowie das Unterrichtswesen (9,6 %).
Mit den Neugründungen wurden 2023 rund 63 662 Stellen geschaffen. Ihr Anteil an allen Arbeitsplätzen in der Schweiz ist mit 1,4 % gering.
Verteilung der Neugründungen nach Rechtsform (2025)
- 19AG
- 6Andere
Überlebensraten und Schliessungen: Wie viele Firmen bestehen?
Überlebensraten und Schliessungen: Wie viele Firmen bestehen?
Jede fünfte Neugründung stellt ihre Tätigkeit bereits nach einem Jahr wieder ein. Nur die Hälfte der Unternehmen ist nach fünf Jahren noch aktiv.
Nach zehn Jahren überleben gemäss IFJ/Zefix noch rund ein Drittel der Gründerfirmen. Die Überlebensrate sinkt mit der Zeit kontinuierlich.
Hohe Schliessungsraten in den ersten Jahren zeigen den starken Selektionsdruck im Wettbewerb. Schwache Geschäftsmodelle werden rasch aus dem Markt gedrängt.
Branchenunterschiede bei Gründung und Überleben
Branchenunterschiede bei Gründung und Überleben
Die Gründungsraten unterscheiden sich stark nach Wirtschaftszweig. Am höchsten sind sie in Kunst, Unterhaltung und Erholung (10,0 %), Information und Kommunikation (9,9 %) sowie Unterrichtswesen (9,6 %).
Der Beitrag der Neugründungen in der Industrie und Energie beträgt mit 0,4 % der neu geschaffenen Arbeitsplätze besonders wenig. Der tertiäre Sektor dominiert mit 87 % aller Gründungen.
Die Überlebenschancen variieren: Branchen mit vielen Kleinstunternehmen wie die sonstigen Dienstleistungen weisen oft niedrigere Überlebensraten auf. Hohe Gründungsraten bei gleichzeitig hohen Schliessungsraten deuten auf intensiven Wettbewerb hin.
Unternehmensgrösse und Wettbewerbsfähigkeit
Unternehmensgrösse und Wettbewerbsfähigkeit
83,3 % der Neugründungen beschäftigen nur eine Person. Lediglich 2 % der neuen Unternehmen haben mehr als fünf Beschäftigte.
Kleinstunternehmen mit einer Person schaffen 61,4 % der neuen Stellen. Sie sind anfälliger für Schliessungen als grössere Unternehmen.
Die Dominanz von Einpersonen-Unternehmen prägt die Wettbewerbsstruktur: Viele Mikroanbieter stehen im Wettbewerb, haben aber geringe Skaleneffekte und eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit.
Marktkonzentration und internationaler Wettbewerb
Marktkonzentration und internationaler Wettbewerb
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) misst die Marktkonzentration. In der Schweiz lag er 2020 bei rund 300 Punkten – ein eher tiefer Wert, vergleichbar mit Dänemark oder den Niederlanden.
In kleinen offenen Volkswirtschaften wie der Schweiz erfasst der HHI keine ausländischen Anbieter. Selbst bei wenigen inländischen Firmen kann der Wettbewerbsdruck durch Importkonkurrenz hoch sein.
Eine Studie von DIW Econ im Auftrag des Seco (2009–2020) bestätigt: Die Wettbewerbsintensität in der Schweiz ist trotz mässiger Konzentration hoch. Die internationale Offenheit gleicht die geringe Anzahl inländischer Anbieter aus.
Fazit: Wettbewerbsintensität mit BFS-Daten einschätzen
Fazit: Wettbewerbsintensität mit BFS-Daten einschätzen
Die Kombination aus Neugründungen, Schliessungen, Überlebensraten und Marktkonzentration ergibt ein ganzheitliches Bild der Wettbewerbsdynamik.
Hohe Gründungszahlen mit drei Rekordjahren in Folge und gleichzeitig hohe Schliessungsraten (50 % nach fünf Jahren) weisen auf intensiven Wettbewerb hin.
Der tiefe HHI von 300 und die starke internationale Einbindung der Schweiz bestätigen einen funktionierenden Wettbewerb, trotz teils weniger inländischer Anbieter.
BFS-Daten (UDEMO, STATENT) sowie ergänzende Quellen (IFJ, Zefix, Seco/DIW) liefern die notwendigen Indikatoren, um die Wettbewerbsintensität fundiert zu beurteilen.


