
Branchenvergleich
Schweiz: Kriterien für Markt- und Standortentscheide nach Branche
Detailhandel und Gastronomie prüfen vor allem Nachfrage, Lage und Erreichbarkeit.
Standort- und Marktentscheide: der Schlüssel zum Unternehmenserfolg
Detailhandel und Gastronomie prüfen vor allem Nachfrage, Lage und Erreichbarkeit. Produktionsbetriebe gewichten Flächen, Zufahrt und betriebliche Abläufe; technologieorientierte Unternehmen achten auf Infrastruktur und Innovationsumfeld.
Die Schweiz bietet politische und wirtschaftliche Stabilität, eine erstklassige Infrastruktur, wettbewerbsfähige Steuern und qualifizierte Arbeitskräfte. Tiefe Kapitalkosten, Währungsstabilität und solide Kaufkraft tragen zur Investitionssicherheit bei.
Ein Anforderungsprofil trennt Marktfragen wie Zielgruppe, Nachfrage und Konkurrenz von Standortfragen wie Erreichbarkeit, Räumen, Kosten und Nutzungsbestimmungen. Die Kriterien lassen sich nach ihrer Wichtigkeit gewichten.
Marktanalyse: die Grundlage für den Markteintritt
Prüfen Sie Markttrends, Verkaufsvolumen und Konsumverhalten: Was brauchen Kundinnen und Kunden, wo leben sie und wie konsumieren sie? Erfassen Sie auch Anzahl, Standorte, Stärken und Schwächen der Konkurrenten sowie mögliche Chancen und Gefahren.
Vergleichen Sie Marktgrösse, bisheriges Wachstum, Trends, Potenzial und Markteintrittsbarrieren. Erfassen Sie die Marktgrösse etwa nach Umsatz, Kundenzahl oder Stückzahl, prüfen Sie die Verteilung der Marktanteile und bestimmen Sie drei bis fünf wichtige Wettbewerber.
Für aussagekräftige Kennzahlenvergleiche sollten Unternehmen derselben Branche und vergleichbarer Grösse gegenübergestellt werden. Die Gewerbestatistik des Schweizerischen Gewerbeverbands umfasst Unternehmens- und Finanzkennzahlen von 7'000 Unternehmen aus 90 Branchen.
Im Schweizer Autogewerbe erheben FIGAS Autogewerbe-Treuhand der Schweiz AG und der AGVS seit über 25 Jahren Kennzahlen. Der Branchenspiegel vergleicht Wagenhandel, Ersatzteile und Werkstatt sowie unter anderem Cashflow, Mietaufwand, Rentabilität, Liquidität, Finanzierung und Investitionen nach Betriebsgrösse und mit Schweizer Durchschnittswerten.
Für die Konkurrenzbeobachtung lassen sich relevante Suchbegriffe mit dem Google Ads Keyword Planer bestimmen. Hootsuite, Netvibes, Feedreader und Feedly vergleichen RSS-Abonnentenzahlen; Metricool benchmarket die eigene Performance in sozialen Netzwerken, und eine SWOT-Analyse ordnet Chancen und Risiken.
Standortfaktoren: Was macht einen attraktiven Standort aus?
Prüfen Sie, ob am Standort genügend Nachfrage besteht und ob Kundschaft, Lieferanten und Partnerfirmen gut erreichbar sind. Verkehrsverbindungen mit öffentlichem und privatem Verkehr, Zufahrt, Parkplätze und Lademöglichkeiten gehören ebenfalls zum Standortprofil.
Für die gewerbliche Nutzung ist in der Regel eine behördliche Bewilligung nötig; vielerorts gelten zudem strikte Nutzungsbestimmungen. Detaillierte Informationen dazu erteilen die Bauämter. Je nach Branche kann auch die Steuerbelastung den Standortentscheid beeinflussen.
Toplagen sind meist mit höheren Mietkosten verbunden. Standorte fernab der Kundschaft können günstiger sein, bedingen jedoch oft höhere Werbekosten.
Basel-Stadt belegt beim Kantonalen Wettbewerbsindikator (KWI) der UBS den zweiten Rang. Der KWI beurteilt die kantonale Wettbewerbsfähigkeit anhand von 57 Indikatoren in acht Kategorien: Wirtschaftsstruktur, Innovation, Humankapital, Arbeitsmarkt, Erreichbarkeit, Einzugsgebiet, Kostenumfeld und Staatsfinanzen.
Die Nordwestschweiz lag 2023 im Regional Innovation Scoreboard (RIS) auf Rang 11 unter 239 europäischen Regionen. Das RIS beruht auf 19 Teilindikatoren; besondere Stärken sind die Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Privatsektor, wissenschaftliche Ko-Publikationen und PCT-Patentanmeldungen.
Im Infrastruktur-Subindex des Global Competitiveness Index lag die Schweiz seit 2008 konstant unter den ersten drei; 2018 erreichten nur die Niederlande und Japan eine höhere Punktzahl. Zur Grundversorgung tragen unter anderem SBB, Swisscom, Post und Swissgrid bei.
Branchenspezifische Anforderungen an Standort und Markt
Detailhandel: Beurteilen Sie Nachfrage, Konsumverhalten und Konkurrenz sowie die Erreichbarkeit der Kundschaft. Innenstadtlagen punkten mit Wegen zu Fuss und öffentlichem Verkehr; in Agglomerationen und auf dem Land zählen Autozugang und genügend Parkplätze. Die Nähe zu Einkaufszentren, Banken und Konkurrenzunternehmen kann ebenfalls relevant sein.
Gastronomie: Prüfen Sie Nachfrage, Lage und Erreichbarkeit sowie die Kostenfolgen des Standorts. Für den Betriebsvergleich eignen sich Personalkosten, Umsatz pro Mitarbeitendem, Beschaffungskosten, Eigen- und Fremdkapital im Verhältnis zum Umsatz und Schuldzins. Bei Gastrounternehmerin Monica Bachmann lagen in ihren drei Restaurants die Lohnkosten für zwei Mitarbeitende leicht unter dem Branchendurchschnitt, der Umsatz pro Mitarbeitendem rund 12 Prozent darunter; der Schuldzins war tiefer als bei den meisten Vergleichsbetrieben.
Produktion: Bewerten Sie benötigte Fläche, Zufahrt, Lademöglichkeiten und Bodenbelastung sowie Raumaufteilung, baulichen Zustand und Veränderungsmöglichkeiten. Prüfen Sie ausserdem Nähe zu Lieferanten und Partnerfirmen, Kommunikation, Bewilligungen und Nutzungsbestimmungen.
Technologie: Beurteilen Sie Infrastruktur, Innovationsumfeld und Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften. Technoparks bieten kostengünstige Infrastruktur und den Austausch mit branchenverwandten Firmen; auch ein Umfeld mit Hochschulen und Forschung kann für Innovation relevant sein.
Vergleich der wichtigsten Standortfaktoren nach Branche
- Detailhandel
- Nachfrage, Lage, Erreichbarkeit, Nähe zu Einkaufszentren und Konkurrenz
- Gastronomie
- Nachfrage, Lage, Erreichbarkeit, Kosten (z. B. Schuldzins, Personalkosten), Umsatz pro Mitarbeiter
- Produktion
- Fläche, Zufahrt, Lademöglichkeiten, Bodenbelastung, Raumaufteilung, baulicher Zustand, Nähe zu Lieferanten
- Technologie
- Infrastruktur, Innovationsumfeld, Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften, Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen
Methodisches Vorgehen: Checklisten und Analysetools
Standort und Erreichbarkeit: Erfassen Sie Verkehrsverbindungen mit öffentlichem und privatem Verkehr sowie die Nähe zu Kundschaft, Lieferanten und Partnerfirmen. Prüfen Sie Zufahrt, Parkplätze, Lademöglichkeiten, Konkurrenz, Quartier und Umgebung.
Räumlichkeiten und Infrastruktur: Notieren Sie Grösse und Anzahl der Räume, deren Aufteilung für Lager und Sitzungszimmer, Zugänge, Bodenbelastung, baulichen Zustand und Veränderungsmöglichkeiten. Ergänzen Sie Telefon- und Datenkommunikation sowie Nachfrage, Bewilligungen, Nutzungsbestimmungen und Steuerbelastung.
Gewichten Sie jeden Punkt im Anforderungsprofil nach seiner Wichtigkeit. Wenden Sie die Gewichtung auf die konkreten Branchenprioritäten an: Kundennähe im Detailhandel und in der Gastronomie, Fläche und Abläufe in der Produktion sowie Infrastruktur und Innovationsumfeld bei Technologieunternehmen.
Marktvergleich: Definieren Sie zuerst Branche und Zielmarkt. Erfassen Sie Marktgrösse, Wachstum, Trends, Potenzial und Markteintrittsbarrieren; dokumentieren Sie Marktanteile und Konkurrenzaktivitäten.
Für die Konkurrenzbeobachtung können Sie Suchbegriffe bestimmen, Unternehmen mit guter Positionierung ermitteln und ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken vergleichen. Prüfen Sie Plattformen, Followerzahlen, Publikationshäufigkeit und Engagement-Raten; regelmässiges Monitoring hilft, auf verändertes Kundenverhalten, neue Wettbewerber und Markttrends zu reagieren.
Wirtschaftsförderer in Gemeinden und Kantonen informieren über lokale Angebote und Standortqualität. Klären Sie bei der Standortwahl die geltenden Bewilligungen und Nutzungsbestimmungen beim zuständigen Bauamt.
Checkliste für die Standort- und Marktanalyse
- Verkehrsverbindungen (öffentlich und privat)
- Nähe zu Kundschaft, Lieferanten und Partnern
- Zufahrt, Parkplätze, Lademöglichkeiten
- Bewilligungen und Nutzungsbestimmungen beim Bauamt
- Steuerbelastung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
- Marktgrösse, Wachstum und Markteintrittsbarrieren
Methodisches Vorgehen bei Markt- und Standortentscheid
- Branche und Zielmarkt definieren
- Marktgrösse, Trends und Konkurrenz analysieren
- Standortfaktoren bewerten (Erreichbarkeit, Räume, Kosten)
- Gewichtung der Kriterien nach Branchenprioritäten
- Vergleich mit Benchmarkunternehmen und Referenzwerten
- Endgültige Entscheidung mit Berücksichtigung lokaler Förderangebote
Fazit: Individuelle Bewertung als Erfolgsfaktor
Im Detailhandel und in der Gastronomie stehen Nachfrage, Kundennähe und Erreichbarkeit im Vordergrund. Produktionsbetriebe beurteilen Fläche, Zufahrt und betriebliche Abläufe; technologieorientierte Unternehmen prüfen Infrastruktur, Innovationsumfeld und den Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften.
Branchenkennzahlen und Vergleiche mit Unternehmen ähnlicher Grösse liefern Referenzwerte für Marktentscheide. Ein nach Wichtigkeit gewichtetes Standortprofil stellt Nachfrage, Erreichbarkeit, Kosten und Rahmenbedingungen den Bedürfnissen des Unternehmens gegenüber.

